Gehört das Brotbrechen vor oder nach der Fußwaschung? Obwohl diese Frage für die Seligkeit nicht entscheidend ist, wird diese Verordnung in verschiedenen Gemeinden unterschiedlich durchgeführt. Um den Hintergrund besser zu verstehen, möchte ich hier einen Ablauf darstellen, der zugleich einen Überblick über die Ereignisse gibt. Verwendet wurde die Elberfelder Übersetzung.

Soweit mir bekannt ist, hat etwa 70–80 n. Chr. zuerst Markus das Evangelium geschrieben. Markus hat die Informationen wahrscheinlich von Petrus empfangen. Sein Evangelium ist das kürzeste. Danach schrieben Matthäus und Lukas, etwa 80–90 n. Chr. Matthäus ergänzt in seinem Evangelium die Verbindung des Messias mit dem Gesetz und den Propheten und richtet sich offensichtlich an die Juden. Lukas ergänzt den geschichtlichen Hintergrund und hat einen detaillierten Bericht „der Reihe nach“ (Luk 1,3) verfasst. Danach, in den Jahren 80–110 n. Chr., schrieb der Apostel Johannes. Sein Evangelium unterscheidet sich von den drei anderen. Er schreibt stärker thematisch, was die Vermutung nahelegt, dass die chronologische Reihenfolge beim Schreiben nicht im Vordergrund stand. Er ergänzt, was in den anderen Evangelien nicht erwähnt wurde.

Nur Matthäus und Johannes waren bei den meisten Ereignissen persönlich dabei. Jeder hat seine Sichtweise und seinen Blickwinkel. Wie nach einem Unfall: Jeder Zeuge wird nach einem längeren Zeitraum den Hergang etwas anders beschreiben, auch mit kleinen Unstimmigkeiten. Das zeigt, dass man nicht voneinander abgeschrieben hat – und das wirkt authentisch. Alle vier Evangelien wurden geschrieben, als noch Zeitzeugen oder deren Kinder lebten. Sie hätten jede Lüge schon zu jener Zeit bemerkt, und ein solches Schreiben wäre als „unecht“ bekannt gemacht worden.

Markus und Matthäus beschreiben die Liebe Jesu zu seinem Verräter. Während sie das Passah feiern, sagt Jesus, dass unter ihnen ein Verräter ist, und will damit Judas zum Umdenken bewegen. Dann bricht er das Brot und gibt ihnen den Kelch und verbindet dies mit der Zugehörigkeit zu seinem Leib, zum Reich Gottes – ein Vorgang mit sehr hohem symbolischem Wert. Offensichtlich haben die Jünger den geistlichen Sinn vieler Handlungen und Worte Jesu nicht verstanden und hofften auf ein irdisches Reich und eine irdische Herrschaft. Dabei offenbarte sich die menschliche Natur: Ihnen war nun wichtig, wer unter ihnen im kommenden Reich der Größte sein werde. Nur Lukas hat dies beschrieben. Es ist beschämend – so etwas müsste nicht geschehen! Während des Essens des Passahlammes, das für Jesus wie ein „Abschiedsabend“ war, bricht unter ihnen ein Streit aus. Viele Jahre später ergänzt Johannes die Beschreibung dieses Abends mit der Antwort Jesu auf diesen Streit – er zeigt ihnen die wahre Größe und wäscht ihnen die Füße. Als sie weiter das Passahlamm essen, ist Jesus erschüttert, dass Judas ungeachtet all dieser Ereignisse und Warnungen an seinem Verrat festhält. Er offenbart Johannes den Verräter und gibt Judas den Bissen. „Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn“ (Joh 13,27).

In manchen Übersetzungen steht in Joh 13,18: „… der mein Brot isst …“. Das würde auf das Brot während des Brotbrechens hindeuten und bekräftigen, dass Judas beim Brotbrechen dabei war.

Die Verordnung des Abendmahls erinnert uns an unsere Zugehörigkeit zum Leib, zur Gemeinde. Die Fußwaschung erinnert uns an den Dienst und die Demut in der Gemeinde. Gott tut alles mit Sinn und Ordnung. So muss die Zugehörigkeit zur Gemeinde vorausgehen und danach der Dienst in ihr folgen. Obwohl ohne Demut kein „Eintritt“ in das Reich Gottes möglich ist, bleibt sie auch danach wichtig – „… alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander!“ (1. Petr 5,5).

Der Ablauf der „Handlungen“ hier ist daher ein Versuch, eine möglichst bibeltreue Auslegung zu formulieren. Möglich ist auch, dass Gott durch diese scheinbaren Unstimmigkeiten im Ablauf die Gläubigen prüfen möchte – so wie bei Abraham mit der Aufforderung, Isaak zu opfern, oder wie es Hiob erschien, als er ohne ersichtlichen Grund litt.

  1. Februar 2026 W.E.